Zu Beginn der Corona-Krise häuften sich Solidaritätsbekundungen im Internet. Musiker des serbischen Nationaltheaters spielten während der Ausgangsbeschränkungen getrennt voneinander, jeweils in ihrer Wohnung, mit ihrem Instrument, die italienische Widerstandshymne „Bella Ciao“ und schalteten sich gleichzeitig via Videokonferenz als Orchester zusammen. Unter #ZusammenHalten spornten sich Menschen an, für Nachbarn Einkäufe zu erledigen. Bei Zoom trafen sich einsame Singles zum Abendessen.

Das Internet scheint auf den ersten Blick ein idealer Ort für Demonstrationen des Zusammenhalts zu sein. ( 1 ) Allerdings sind die meisten Aktionen schnell wieder in Vergessenheit geraten.

Eine wesentliche Voraussetzung für Solidarität ist die persönliche Begegnung. Virtuelle Solidaritätsbekundungen vereinnahmen die Solidarität zwar, aber sie lassen sich nicht wirklich auf sie ein. Wer sich im Internet solidarisch erklärt, hält Distanz. Keiner, der bequem von zu Hause aus ein „Ja“ in einem Protest-Formular anklickt, muss sich körperlich einbringen. Die Anonymität schützt ihn und schwächt zugleich die Glaubwürdigkeit seines Engagements enorm ab.

(…)

I would like to find out how solidarity is expressed on the Internet, to what extent people benefit from the much-cited social cohesion and what causes it to fail in our late-modern “society of singularities”. ( 2 ) I hope that my work can help to reduce Hate Speech.

( 1 )
Georg Diez and Emanuel Heisenberg write in “Power to the people” (2020) Technologies have the potential to make power more equitable.

( 2 )
Instead of collective experiences, many people today are looking for the unique, individual experience. Andreas Reckwitz examined the process of this singularization.